Praxisintegrierte Form (PIA)

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Fachschule für Sozialpädagogik
Schulische Vollzeitform und Praxisintegrierte Form (PIA) 

Erzieherinnen / Erzieher sind als pädagogische Fachkräfte in der Kinder – und Jugendhilfe tätig. Sie unterstützen die elterliche Erziehung und erfüllen den gesetzlichen Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen. Dort sind sie für die Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder im Alter von 0 Jahren bis zum Schuleintritt verantwortlich. Im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels ergänzen sie immer mehr die Familienerziehung, in manchen Bereichen ersetzen Erzieherinnen und Erzieher diese auch. Sie sind Entwicklungsbegleiter, Bildungsinitiator und Vertrauensperson. Dabei nehmen sie eine immer wichtiger werdende Rolle im Leben der Kinder ein. Wir am Maria-Lenssen-Berufskolleg stehen im Austausch mit dem Berufsfeld und reagieren stets in Unterricht und Praxis auf die Anforderungen.

Erzieherinnen / Erzieher arbeiten auch im Schulkindbereich. In der Grundschulbetreuung einer OGS oder OGATA betreuen sie Kinder vor Unterrichtsbeginn und empfangen sie nach Unterrichtsende in pädagogisch eingerichteten Räumen. Hier geben sie Unterstützung in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens und regen zu einer aktiven Freizeitgestaltung an. Die Begleitung bei Mahlzeiten sowie die Betreuung der Hausaufgaben ist ebenfalls fester Bestandteil der Arbeit im Schulkindbereich.

In der offenen Jugendhilfe sind Erzieherinnen und Erzieher ebenfalls tätig. Hier arbeiten sie in einem Jugendheim, einem Haus der Jugend oder einer Jugendfreizeitstätte. Die pädagogischen Fachkräfte geben hier Hilfe zur Planung und Organisation der Freizeit von Schulkindern und Jugendlichen. Sie bieten Angebote und Aufenthalt sowie Austausch über Alltagsthemen und sind Ansprechpartner bei persönlichen Lebenssituationen der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Im Berufsfeld der Erzieherinnen und Erzieher kommt der eigenen Persönlichkeit eine Schlüsselrolle zu. Erziehen heißt begleiten, Vorbild sein und die pädagogische Haltung einnehmen und verkörpern. Diese ist nur bedingt lernbar und kann nur durch Überzeugung und Annahme gelebt werden. Erzieherinnen und Erzieher müssen ihre Kommunikations-, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit weiter entwickeln und zur kritischen Reflexion ihrer Person, ihres Menschenbildes sowie zur Selbsterziehung fähig sein.

Unsere Studierenden in der Persönlichkeit zu unterstützen, die berufsspezifischen Kompetenzen weiterzuentwickeln ist Leitmotiv unserer Ausbildung. Durchweg werden diese Ziele im Unterricht verfolgt und finden ihre Berücksichtigung bei Lernaufgaben wie auch Praxisanteilen.

Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin / zum staatlich anerkannten Erzieher dauert insgesamt drei Jahre  und kann ab dem Schuljahr 2019 / 2020 in zwei gleichwertigen Varianten durchlaufen werden:

A) Die Ausbildung gliedert sich in eine zweijährige Schulausbildung und ein einjähriges anschließendes Berufspraktikum.

B) Die Ausbildung verläuft über 3 Jahre praxisbegleitend, wobei außerhalb der Ferien jeweils 3 Tage vergütet in der Praxis, 2 Tage in der Schule gearbeitet werden. Dazu kommen Blockwochen in der Schule. Dies ist das sogenannte PIA-Modell. Mit dem Abschluss des Berufspraktikums bzw. nach Beenden der PIA kann gleichzeitig die Fachhochschulreife ("Fachabitur") erworben werden.

Bewerberinnen und Bewerber mit dem Berufswunsch staatl. anerkannte/r Erzieher/in benötigen für beide Varianten

  •         die Fachoberschulreife und eine abgeschlossene Berufsausbildung als staatl. geprüfte/r Kinderpfleger/in oder als staatlich geprüfte/r Sozialassisten/in
  •          den Abschluss der Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
  •         oder die allgemeine Hochschulreife und eine einschlägige berufliche Tätigkeit (hierzu zählen auch ein freiwilliges soziales Jahr oder die Ableistung eines einschlägigen Bundesfreiwilligendienstes) mit mindestens 900 Stunden in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe
  •           oder die Fachoberschulreife und eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen Beruf, die der Ausbildung dienlich ist.
  •        oder eine nicht einschlägige Berufsausbildung, die Fachoberschulreife und eine einjährige einschlägige berufliche Tätigkeit (hierzu zählen auch ein freiwilliges soziales Jahr oder die Ableistung eines einschlägigen Bundesfreiwilligendienstes).
  •           erweitertes Führungszeugnis nach § 30 a BZRG (darf zu Beginn der Ausbildung nicht älter als 3 Monate sein

Bewerberinnen und Bewerber für die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) benötigen darüber hinaus  einen Praktikantenvertrag (mind. 20 Std. wöchentlich) in einer Einrichtung der Kinder und Jugendhilfe.

Der Unterricht gliedert sich in den fachrichtungsbezogenen und den fachrichtungsübergreifenden Lernbereich.

fachrichtungsübergreifend sind die Fächer, die dem allgemeinen Wissen dienen und dennoch einen hohen Berufsbezug aufweisen.
Hier zählen die Fächer
- Deutsch
- Naturwissenschaften
- Politik / Gesellschaftslehre
- Fremdsprache (Englisch)

Der fachrichtungsbezogene Lernbereich hat keine Fächer im herkömmlichen Sinn, sondern Lernfelder. Lernfelder sind Ausgangspunkte für das handlungsorientierte und konkrete praktische Handeln. Aus diesem Grund orientiert sich auch der Unterricht in der Fachschule an der Lernfelddidaktik. Hinzu kommen Stunden zum Selbstlernen.

Differenzierungsbereich
-
Mathematik

Lernen in der Fachschule für Sozialpädagogik findet an verschiedenen Lernorten statt; in der Schule, der Praxisstelle sowie in anderen Lernbereichen. Wir kooperieren mit den Einrichtungen im Umkreis und führen regelmäßig zu aktuellen Projektphasen oder -themen Anleitertreffen durch.
Dies resultiert zum einen aus dem Wunsch, die Distanz zwischen Praxis und Schule weitgehend aufzuheben und zum anderen aus dem Bestreben, die vorhandenen Kompetenzen auf beiden Seiten zu bündeln.

Ziel ist es, dass die Studierenden erfahren, dass sie sozialpädagogisches Handeln mit Hilfe von Theorien analysieren, reflektieren und gegebenenfalls verändern können. Ferner sollen sie lernen, dass "jedes erzieherische Handeln in den persönlichen Lebensbereich eines anderen Menschen hineinwirkt".
Theorie und Praxis sind nicht als separierte Teile der Ausbildung zu betrachten, sondern sie sind integrative Bestandteile der Gesamtausbildung. Dazu werden zu jeder Praxisphase relevante und auf die vorher erfahrenden Unterrichtsinhalte bezogene  konkrete Anwendungsaufgaben entwickelt.

Die Praxis hat während der Ausbildung einen zentralen Stellenwert.
Sie soll den Studierenden die Möglichkeit geben:
- sich in einzelnen sozialpädagogischen Praxisfeldern zu orientieren,
- die eigene Berufsrolle zu überprüfen und zu finden,
- Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswelt zu verstehen,
- berufliche Handlungsmöglichkeiten zu nutzen und zu reflektieren.

Die Arbeit während verschiedener Blockpraktika in den verschiedenen sozialpädagogischen Einrichtungen in Ausbildungsmöglichkeit A sowie die engen Theorie-Praxis-Verzahnung im PIA-Modell werden diesem Anspruch gerecht.

  • Im Modell  A beträgt  die fachpraktische Ausbildung in der Summe  im ersten und zweiten Ausbildungsjahr 16 Wochen: Die Studierenden lernen verschiedene Praxiseinrichtungen mit Schwerpunkten kennen und erweitern so ihr Handlungsrepertoire sowie ihren Erfahrungshorizont. Das immer neue Einstellen auf die jeweilige Arbeitsweise erhöht die Teamfähigkeit und die berufliche Professionalität wird ausgebaut. Im letzten Jahr der Ausbildung, im Berufspraktikum, sind die Praktikanten und Praktikantinnen ständig vor Ort in einer Einrichtung der Kinder und Jugendhilfe und besuchen an einzelnen Tagen, insgesamt an 160-200 Unterrichtsstunden, die Schule.
  • Im PIA-Modell ist die Verzahnung von Theorie und Praxis noch konstanter gegeben. Im Unterricht erarbeitetes Theoriewissen kann direkt auf die Praxis transferiert werden und ermöglicht eine regelmäßige fachliche Reflexion des beruflichen Handelns. Erfahrungen in einem  zweiten Arbeitsfeld werden innerhalb eines Blockpraktikums  erworben.

Angesichts weit fortschreitender „Burn-out" Erfahrungen in vielen sozialen Einrichtungen halten wir die Teamarbeit, das Erlernen und Einleben in Teamarbeit, für einen außerordentlich wichtigen und tragenden Aspekt der Ausbildung. Dies ist in besonderer Weise im PIA-Modell gegeben, da die Ausbildung kontinuierlich in derselben Praxisstelle im gleichen Team erfolgt. Durch stete Reflexion und den Austausch mit der Praxis ist unsere Ausbildung sehr praxisnah und greift immer wieder neue Inhalte auf, die in der beruflichen Arbeit relevant sind. Die Kooperation mit den Praxisstellen erstreckt sich nicht nur auf langfristige Zusammenarbeit zwischen den Ausbildungspartnern, sondern ist durch einen hohen fachlichen Anspruch geprägt.

Sozialpädagogische Handlungskompetenz wird im Laufe eines individuellen, beruflichen Entwicklungsprozesses erworben. Um diesen Entwicklungsprozess zu begleiten, führen wir mit den Studierenden Planungs- und Entwicklungsgespräche durch, in denen die Studierenden mit den Fachlehrern gemeinsam ihren Entwicklungsstand reflektieren und individuelle Entwicklungsziele festlegen.

Den Ausgangspunkt des Lernens bildet eine konkrete, praktische Handlung. Aus diesem Grund orientiert sich der Unterricht an der Lernfelddidaktik.

Um dem didaktischen Grundsatz der Handlungsorientierung gerecht zu werden, müssen sich die Lernprozesse auf das konkrete Handeln in Handlungsfeldern beziehen. Lernfelder sind solche didaktisch begründete, schulisch aufbereitete Handlungsfelder.

Die sechs Lernfelder heißen:
- Berufliche Identität und professionelle Perspektiven weiter entwickeln
- Pädagogische Beziehungen gestalten und mit Gruppen pädagogisch arbeiten
- Lebenswelten und Diversität wahrnehmen, verstehen und Inklusion fördern
- Sozialpädagogische Bildungsarbeit in den Bildungsbereichen professionell gestalten
- Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit Eltern und Bezugspersonen gestalten sowie Übergänge unterstützen
- Institution und Team entwickeln sowie in Netzwerken kooperieren

Zusätzlich gehört zum Berufsbezogenen Bereich
-  Religionspädagogik
-  Vertiefungsbereich 1 im Bildungsbereich (Sprache und Kommunikation, Medien, musisch-ästhetische Bildung, Körper, Gesundheit und Ernährung)
-  Vertiefungsbereich 2 im Adressatenfeld (Bildung und Erziehung von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahre, Schwerpunkt U3; Bildung, Erziehung und Betreuung in der Arbeit mit Grundschulkindern im Offenen Ganztag; Bildung, Erziehung und Betreuung in Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Förderbedarf)
-  Projektarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe
-  Sozialpädagogische Praxis in Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Die Konkretisierung der Lernfelder geschieht durch Lernsituationen. Sie beinhalten konkrete, komplexe Situationsbeschreibungen aus der sozialpädagogischen Praxis. Daraus ergeben sich für die Studierenden Handlungsaufgaben, die sie mit Hilfe der methodischen Schritte: Analysieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren, Bewerten und Reflektieren erarbeiten.

Der Unterricht wird durch Lernsituationen gestaltet.

Die Lernsituationen beschreiben berufliche Handlungssituationen, aus denen heraus sich Fragestellungen oder Impulse ergeben, die die Inhalte des Unterrichts erschließen. Der Fokus liegt auf der hohen Selbstbeteiligung der Studierenden und des selbst gesteuerten Lernens. Der Praxisbezug in allen Unterrichtsphasen ermöglicht den Transfer und bietet die Möglichkeit sich mit dem Beruf auseinanderzusetzen.

Die Projektarbeit am MLB wird in Ausbildungsform A in Teams durchgeführt. Gemeinsam mit einem Partner gehen unsere Studierenden der Oberstufe in eine Kooperationseinrichtung und planen dort mit den Kindern ein Projekt. Auf Grund ihres Stellenwertes in der Stundentafel hat die Projektarbeit den Stellenwert eines Fachs und wird auf dem Zeugnis unter Angabe des Themas mit einer Note ausgewiesen. Die Projektarbeit liefert den lernorganisatorischen Rahmen, in dem, losgelöst von Zuordnungen zu anderen Fächern oder Lernfeldern, erworbene Kompetenzen bei der Durchführung eines umfassenden berufsrelevanten Projektes angewandt und weiterentwickelt werden können. Das Prinzip der Partizipation als Grundlage des pädagogischen Handelns wird umgesetzt. Ebenso wird als deutlicher Schwerpunkt die Teamfähigkeit geschult.

Die Themenfindung geschieht mit den beteiligten Kindern und Einrichtungen. Es findet eine Hospitationsphase im Kindergarten statt, die Ausgangspunkt für die Initiierung ist. Aus dieser heraus wachsen Ideen, die mit den Kindern besprochen, geplant und organisiert werden. Im Rahmen der Projektarbeit findet eine Elternaktion bzw. eine Öffentlichkeitsarbeit statt. Im Anschluss werden die durchgeführten Projekte den anderen Klassen der Abteilung Sozialwesen am MLB präsentiert.

Unsere Absolventinnen und Absolventen arbeiten in sozialpädagogischen Einrichtungen, die sich in öffentlicher, katholischer, evangelischer oder privater Trägerschaft befinden. Diese Berufsausbildung ist zudem keine "Einbahnstraße". Vielmehr eröffnet der erfolgreiche Fachschulabschluss vielseitige Möglichkeiten:

als kompetente/r Erzieher/in praktisch und eigenverantwortlich zu arbeiten, nach einigen Jahren der Bewährung Führungspositionen einzunehmen und Nachwuchs auszubilden.

während des Anerkennungsjahrs das Studium "Bildung und Erziehung in der frühen Kindheit" an der Hochschule Niederrhein - Abteilung Sozialwesen zu beginnen. Liegen bestimmte Qualifikationen vor, so kann direkt mit dem 3. Semester an der Hochschule begonnen werden.

sich nach einigen Jahren Berufserfahrung heilpädagogisch weiterzubilden und in Hinblick auf eine therapeutische Arbeit mit Kindern weitere Qualifikationen zu erwerben                                                  

nach der PIA-Ausbildung Verbleib in der bereits bekannten Arbeitsstätte als Fachkraft.